Ins Rollen und ins Grübeln gekommen

Beim Projekttag "Bewegung verbindet - Rollstuhlsport macht Schule" übten sich die beiden neunten Klassen der Christlichen Sekundarschule Gnadau am 3. September nicht nur im Umgang mit dem rollenden Hilfsmittel, sondern wurden vor allem auch für die alltäglichen Herausforderungen und für das Lebensumfeld von Menschen mit Handicap sensibilisiert. 

Die ersten blieben schon nach wenigen Zentimetern hängen: Im Rollstuhl sitzend erwiesen sich bereits kleinere Bruchstellen und Unebenheiten im Bodenbelag vor der Sporthalle der Grundschule "Am Prinzeßchen" in Barby als nahezu unüberwindbare Hindernisse. Als ähnlich anspruchsvoll stellten sich auch das Bergan- und Bergabfahren am kleinen Elbschutzdeich sowie die Überquerung der Kopfsteinpflasterpassage unweit des Schulgeländes heraus. Und so blickte man bei den jungen Teilnehmer*innen der Station "Alltag im Rollstuhl" in sehr konzentrierte Gesichter.

Ausgelassener und flinker ging es bei der zweiten Station "Sport im Rollstuhl" zu. Der verlässlich glatte Untergrund der Turnhalle sowie die durch ihre angeschrägten Räder und zusätzlichen Stützvorrichtungen deutlich standsichereren Sportrollstuhlmodelle sorgten für eine schnelle Annäherung zwischen den Jugendlichen und ihren temporären Hilfsmitteln. So staunte die das Projekt betreuende Sportlehrerin Cathleen Redöhl bei der Beobachtung des Basketballspiels nicht schlecht: "Hier sind alle voll dabei - auch die, die sich sonst eher ungern bewegen und keine große Begeisterung für Sport zeigen!"

Positiv überrascht wurde Frau Redöhl schon während der Vorbereitung des Projekttags: Sie hatte ihren Schülerinnen und Schülern aufgetragen einmal darüber nachzudenken, was sie so alles verändern würden, wären sie selbst in der Politik für die Belange von Rollstuhlfahrer*innen zuständig. Die Ideenfülle, die ihr unterbreitet wurde, überstieg dann deutlich ihre Erwartungen und zeigte, auf wie viel Interesse das Thema bei den Jugendlichen stieß.

Noch offengebliebene Fragen konnten die Schüler*innen im Anschluss an die beiden absolvierten Stationen bei der erfahrenden Projektcrew loswerden. Koordinator Volker Möws vom BG Klinikum Bergmannstrost Halle, Rollstuhlsportler Mathias Sinang sowie Robert Strohschein und Paul Beyer vom Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt e. V. (BSSA) hinterließen auch bei ihrem nunmehr sechsten Besuch in Barby ausschließlich zufriedene, aber auch nachdenkliche Gesichter.

„Bewegung verbindet – Rollstuhlsport macht Schule“ steht Schülerinnen und Schülern aller Schulen Sachsen-Anhalts in der Regel ab Klassenstufe neun zur Verfügung und kann kostenfrei gebucht werden. Das landesweite Schulprojekt startete im März 2011 und wird seit 2018 von den Partnern Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt e. V. (BSSA) und BG Klinikum Bergmannstrost Halle umgesetzt. Es steht unter der Schirmherrschaft von Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner und wird von der Unfallkasse Sachsen-Anhalt gefördert. In diesem Jahr findet die Projektdurchführung coronabedigt unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt.