Elternumfrage zu Homeschooling

Wie geht bzw. ging es Eltern und Schüler*innen in Distanzunterricht und Homeschooling? Das wollte die Evangelische Johannes-Schulstiftung für ihre neun Schulen möglichst genau wissen und wandte sich als eine der ersten unter den freien Schulträger*innen mit einer elektronischen, anonymisierten Umfrage an Eltern und Sekundarschüler*innen. Auch um weiteren Unterstützungsbedarf feststellen zu können. 
 

„Es ist schwierig, zu Hause einen ruhigen Arbeitsplatz zu finden.“ – „Ich wünsche mir für mein Kind // für mich mehr Kontakt zur Schule.“ – „Mein Kind hat Probleme mit der täglichen Routine.“

So lauten drei exemplarische Aussagesätze, die auf einer abgestuften Skala von „Stimme überhaupt nicht zu“ bis „Stimme voll und ganz zu“ entweder bestätigt oder verneint werden sollten. Aufgerufen dazu waren alle Eltern und Erziehungsberechtigten der Grund- und Sekundarschulen in Trägerschaft der Evangelischen Johannes-Schulstiftung sowie die Schülerinnen und Schüler an den Sekundarschulen.

„Wir wollten ganz konkret wissen, wie es den Familien mit Kindern an unseren Schulen während des wochenlangen Distanzunterrichts ergeht. Insbesondere den Eltern galt es eine Plattform zu bieten, ihre Sicht der Dinge zu äußern und damit als Stiftung einen Dialog anzustoßen. Die Stimmen der Betroffenen sollten gehört und positive Erfahrungen aber auch Probleme klar benannt werden, um dann möglichst gemeinsam weiter nach Lösungen suchen zu können.“ So beschreibt Michael Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Ev. Johannes-Schulstiftung, die Beweggründe, die Umfrage mitten im Lockdown zu starten. 

Den kurzen Fragenkatalog erstellt hat Birgit Kilian, erprobte Schulentwicklerin und Coachin für Schulleitungen. Er konnte innerhalb eines Zeitfensters von vier Tagen beantwortet werden und enthält neben weiteren Positionierungen zu vorgefertigten Aussagen auch offen und allgemein gehaltene Fragestellungen wie „Was gefällt Ihnen am Fernunterricht? Was funktioniert gut für Sie?“ oder „Was sind die Herausforderungen? Mit welchen Aspekten haben Sie zu kämpfen?“ und endet mit der Frage: „Wo wünschen Sie sich konkret Unterstützung?“ 

Nicht wenige Eltern haben die Gelegenheit genutzt, ihre Gedanken zu diesen Punkten ausführlich niederzuschreiben, berichtet Kilian, die auch die Auswertung der Ergebnisse vorgenommen hat. „Daran und an den insgesamt vergleichsweise hohen Beteiligungszahlen an allen Schulen zeigt sich, dass die Umfrage einen Nerv getroffen hat: Die Eltern wollen gefragt werden und sie wollen sich mitteilen.“

Viele treibt ein Gefühl der Überforderung um: Berufstätigkeit und Kinderbetreuung müssen unter einen Hut gebracht werden und die Versuche, dem eigenen Kind die Lehrkraft zu ersetzen, führen häufig zu Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Gern angenommen werden daher die digitalen Formate und Unterstützungsangebote, die es ermöglichen, dass Schülerinnen und Schüler unmittelbarer mit ihren Lehrer*innen in Kontakt treten können. Die aus dem Präsenzunterricht beibehaltenen Wochenpläne helfen, eine Struktur beizubehalten und werden an allen Schulen begrüßt. Obwohl die Menge an Aufgaben größtenteils als angemessen und die Arbeitsaufträge selbst als weitgehend abwechslungsreich und interessant eingestuft werden, bleibt das Aufrechterhalten der Lernmotivation bei zunehmender Homeschooling-Dauer ein zentrales Problem, das auch von den Schüler*innen selbst häufig genannt wird. 

Letztere können dem Lernen zu Hause aber auch Positives abgewinnen: So schätzen einige, dass sie sich ihre Zeit und Arbeitsphasen nun freier und selbstbestimmter einteilen können – ein möglicher Ansatzpunkt auch für die Zeit nach Corona.

Neben vielen Schwierigkeiten, an deren Überwindung schon gearbeitet wird – wie schlechten Internetverbindungen, fehlenden Geräten, vereinzelten Kommunikationsdefiziten – und Herausforderungen, die durch Hilfsangebote abgefedert werden können – wie Motivationsdurchhänger, Überforderungsgefühle oder fehlende Tagesstrukturen – bleibt das Hauptdefizit des Distanzunterrichts das Ausbleiben des unmittelbaren sozialen Kontakts. „Mein Kind vermisst seine Freunde.“ – diese Aussage hatte bei weitem den höchsten Zustimmungswert. Dicht gefolgt von: „Mein Kind vermisst seine Lehrer / Erzieher“. 

Hier zeigt sich: Nicht alle Probleme, die als Ergebnis der Umfrage klar benannt sind, können sofort oder komplett zufriedenstellend gelöst werden. Umso wichtiger ist es, miteinander im Gespräch zu bleiben und mögliche Veränderungen zum Besseren anzustoßen. Dazu ist die von der Evangelischen Johannes-Schulstiftung initiierte und kurzfristig umgesetzte Eltern- und Schüler*innenevalution ein Beitrag. 

Jede Stiftungsschule hat inzwischen eine schulscharfe Auswertung erhalten, die die sechs Grund- und drei Sekundarschulen zunächst innerhalb ihrer Kollegien besprechen, um dann in den direkten Austausch mit den Eltern zu treten. Schließlich dürfte sich das Thema Homeschooling trotz der begonnenen Schulöffnungen noch nicht erledigt haben.